Einer ist da. Nennt dich Mädchen und weiß gar nicht, wie alt du bist. Bist längst kein Kind mehr, keine Frau, bist Greisin der eigenen Zeit. Lebenszeit. Und fragt dich, nach deinem Befinden, als wäre an dir noch irgendetwas zu finden. Such- und Fundorte. Hautwärts, von innen nach außen dringend, mögen noch Furchen sein. Aufenthaltsorte. Vielleicht Wortwölbungen. Oder Ausstülpungen wie Geschwüre. Wenn Worte deinen Leib wölben. Stell es dir vor. Und dann stell dir mich als wölbende und gewölbte Greisin vor. Wie ich sitze und unförmig werde. Es längst bin. Ballonartig. Nicht in die Luft aufsteigend, viel eher sinkend, zu Boden stürzend, wie ein Geröll. Hernieder. Um- und anstoßend. Lawinen auslösend.
Wie ist also mein Finden, und wo genau befinde ich mich, während einer da ist und fragt. Finde nicht aus mir heraus und befinde mich dennoch an ungesehenen Orten, in ganzen Landstrichen, die von irgendher in mir abgehen, ausweichen und abufern. Ich bin der Ausgangspunkt all dieser Linien, die zu mir führen, die aus mir herausführen.
"Dies hier sind so meine eigenen Einfälle, wodurch ich nicht beabsichtige, das Wesen der Dinge ans Licht zu bringen, sondern mich selbst." Michel de Montaigne
Sonntag, 30. Juni 2013
Samstag, 29. Juni 2013
Die Flüsse sind uferlos geworden. Ich rette mich auf das letzte und, so wie es aussieht, das kleinste Stück Festland. Ein Hügelhaufen, eine nach oben gerichtete Mulde. Ich gucke und sehe alles nur uferlos sein.
Mit dem, was man über sich selbst zugibt, oder mit dem, was man über sich selbst in Erfahrung bringt, steht man dann manchmal so. Auf einer umgekehrt aufgeschichteten Mulde. Steht auf diesen Aus- und Umstülpungen wie auf einem Sprungbrett. Nur für den Sprung unvorbereitet. Nicht bereit.
Ich werde weich. Wie ein zu lang umspülter Damm. Einbrüche. Allerorts. Ich muss immer wieder testen, mich austesten, wie viel ich noch imstande bin abzuhalten. Auszuhalten. Und Auswege, Lösungen suchen, wenn ich nicht mehr halte. Nichts mehr ab- und aushalte.
Gedankenräume brechen. Fallen zusammen und übereinander her. Raumlos. Unverortet. Wie ein Kind ohne Geburtskanal. Ohne Richtung und Hinweis, ohne Zukunft und deren Möglichkeit. Auch zu entkommen. Nicht entkommbar. Auch deswegen dieses Rennen. Jeden Tag dagegen an- und davonrennen.
Mit dem, was man über sich selbst zugibt, oder mit dem, was man über sich selbst in Erfahrung bringt, steht man dann manchmal so. Auf einer umgekehrt aufgeschichteten Mulde. Steht auf diesen Aus- und Umstülpungen wie auf einem Sprungbrett. Nur für den Sprung unvorbereitet. Nicht bereit.
Ich werde weich. Wie ein zu lang umspülter Damm. Einbrüche. Allerorts. Ich muss immer wieder testen, mich austesten, wie viel ich noch imstande bin abzuhalten. Auszuhalten. Und Auswege, Lösungen suchen, wenn ich nicht mehr halte. Nichts mehr ab- und aushalte.
Gedankenräume brechen. Fallen zusammen und übereinander her. Raumlos. Unverortet. Wie ein Kind ohne Geburtskanal. Ohne Richtung und Hinweis, ohne Zukunft und deren Möglichkeit. Auch zu entkommen. Nicht entkommbar. Auch deswegen dieses Rennen. Jeden Tag dagegen an- und davonrennen.
Dienstag, 25. Juni 2013
Wenn einer einen Narren gefressen hat, sagt man dann, Narrzissmus? Und wenn sich dann einer über das doppel R aufregt, sage ich dann Rarität? Revolution, Rassismus? Schau doch mal in den Wind, sage ich dann, statt der anderen Sätze, denn wer in den Wind schaut, dem vergeht hin und wieder das Atmen. Es bleibt im Halse stecken, weil der Wind den Atem direkt hineinbläst, man bläht sozusagen im Hals auf, und das Geblasene drückt an die Kehlmauer und lässt sich nicht schlucken. Ja. Schau in den Wind, werde ich sagen.
Am Kopf lasse ich mich nicht fassen. Die Haare sind geschoren. Als sei ich ein Knabe, dem es gilt, das Grün hinter den Ohren zu mähen. Ein Schaf auf der Wiese, das sich nach dem Scheren nicht mehr als Schaf auf der Wiese fassen lässt. Nur noch ein gerupftes Tier, das grast. Kein Wollspender, kein Weichdenker, kein Kuscheleffekt. Mein Kopf ist also fassungslos. Faschismus?
Wörterbücher sind da, um auswendig gelernt zu werden. Lerne ein Wort und du versteht ein anderes. Ich sage immer, auswendig ist der sicherste Weg. Schau auf die Karte, präge dir den Weg und die Straßennamen ein, und du wirst dich nicht verlaufen. So ist es auch mit den Worten. Wer sich verspricht, hat nicht auswendig gelernt. Das Wörterbuch zum Beispiel.
Mit den Gefühlen ist das ähnlich. Es gibt eine ganze Palette. Und man kann sie mischen. Man muss ausprobieren, um zu wissen, welches wann und wo und wie genau passend sein kann, passend sein wird, ist. Man muss probieren und vor allem, auswendig lernen! Dann ist die Anwendung einfacher. Reibungslos, sozusagen. Und auch das Erkennen im Gegenüber. Das ist die höchste Kunst. Kein Geist ist je vom Himmel gefallen. Eher aus einem Körper hervorgetreten. Wenn überhaupt. Auch das Genie lernt und denkt und vergleicht. Und lernt auswendig. Womöglich etwas leichter, schneller, problemloser, nicht wie ein aktives Handeln, das Lernen.
Ja. Ja. Also, der Narrenfresser. Fallstricke sind immer die sichersten Seile, um jemanden gefangen zu nehmen.
Am Kopf lasse ich mich nicht fassen. Die Haare sind geschoren. Als sei ich ein Knabe, dem es gilt, das Grün hinter den Ohren zu mähen. Ein Schaf auf der Wiese, das sich nach dem Scheren nicht mehr als Schaf auf der Wiese fassen lässt. Nur noch ein gerupftes Tier, das grast. Kein Wollspender, kein Weichdenker, kein Kuscheleffekt. Mein Kopf ist also fassungslos. Faschismus?
Wörterbücher sind da, um auswendig gelernt zu werden. Lerne ein Wort und du versteht ein anderes. Ich sage immer, auswendig ist der sicherste Weg. Schau auf die Karte, präge dir den Weg und die Straßennamen ein, und du wirst dich nicht verlaufen. So ist es auch mit den Worten. Wer sich verspricht, hat nicht auswendig gelernt. Das Wörterbuch zum Beispiel.
Mit den Gefühlen ist das ähnlich. Es gibt eine ganze Palette. Und man kann sie mischen. Man muss ausprobieren, um zu wissen, welches wann und wo und wie genau passend sein kann, passend sein wird, ist. Man muss probieren und vor allem, auswendig lernen! Dann ist die Anwendung einfacher. Reibungslos, sozusagen. Und auch das Erkennen im Gegenüber. Das ist die höchste Kunst. Kein Geist ist je vom Himmel gefallen. Eher aus einem Körper hervorgetreten. Wenn überhaupt. Auch das Genie lernt und denkt und vergleicht. Und lernt auswendig. Womöglich etwas leichter, schneller, problemloser, nicht wie ein aktives Handeln, das Lernen.
Ja. Ja. Also, der Narrenfresser. Fallstricke sind immer die sichersten Seile, um jemanden gefangen zu nehmen.
Dienstag, 7. Mai 2013
Ich breche und gebe. Überbreche und Ergebe mich. Bei all diesen Worten. Worterlich. Nein. Wunderlich wollte ich sagen. Schreibwerkstätten. Mit Hammer und Bohrer. Aus Großholz wird Kleinholz gemacht. Mir schwirrt es vor Augen. Es schwirren Aphorismen, die keine sind, nur so kategorisiert werden, es schwirren Kurzgeschichten, die keine sind, nur in vier Zeilen länge ein Geschehen behaupten, es schwirren Gedichte, Essays, ja ganze Romanauszüge. Selbst beim Schließen der Augen schwirrt mir der Schädel. Was ich nicht sehe, ist längst nicht aus dem Sinn. Ich ergebe und erbrach mich. Das eine jetzt, das andere schon vorhin.
Schwirren. Schwirrte. Schwor. Geschworen. Ich habe nicht bei Gott, aber mit gekreuzten Fingern geschworen. Abgeschworen den Foren. Den wortreichen Orgasmen. Den Vorspielgaukeleien, den Schlummerliedern. Ich schwirrte mir selbst vor Augen. Ich schwirre und schwöre. Wenn du immer wieder SCHWIRREN sagst, wird dir ganz schummerig. Und das nur aus einem Wort heraus.
Wer mag, denkt nach. Der große Rest tut anderes.
Ich ergebe mich der Schnelligkeit meiner Finger. Mein Denken kommt kaum nach. Aber geschrieben wird trotzdem. Aus dem Rasen ist schlecht holen. Herausholen aus dem Rasen, meine ich. Oder hat schon einmal jemand einen anderen aus einem rasenden Auto geholt? Meine Finger rasen. Siehst du. Schon steht hier das Wort. Und so rasen sie auch durch Foren. Klick. Klick. Klick. Klack. Klick. Klick. Klick. Klick. Klack. Huch, jetzt ist alles öffentlich. Mein nicht bedachtes Denken. Mein Intimbereich, diese von mir kaum wahrgenommene Sphäre.
Ah. Ein Wort an mich. Ja. Ein Wort zu meinen hingeworfenen Worten. Ich berühre mich. Also werfe ich noch etwas. Hin. Dorthin. Dahin. Überall hin, wo andere ebenso Worte werfen. Ich bekomme eines ab. Ein Feines, ein Wohliges, ein Erregendes. Werft her wohin ich werfe!
Schwirren. Schwirrte. Schwor. Geschworen. Ich habe nicht bei Gott, aber mit gekreuzten Fingern geschworen. Abgeschworen den Foren. Den wortreichen Orgasmen. Den Vorspielgaukeleien, den Schlummerliedern. Ich schwirrte mir selbst vor Augen. Ich schwirre und schwöre. Wenn du immer wieder SCHWIRREN sagst, wird dir ganz schummerig. Und das nur aus einem Wort heraus.
Wer mag, denkt nach. Der große Rest tut anderes.
Ich ergebe mich der Schnelligkeit meiner Finger. Mein Denken kommt kaum nach. Aber geschrieben wird trotzdem. Aus dem Rasen ist schlecht holen. Herausholen aus dem Rasen, meine ich. Oder hat schon einmal jemand einen anderen aus einem rasenden Auto geholt? Meine Finger rasen. Siehst du. Schon steht hier das Wort. Und so rasen sie auch durch Foren. Klick. Klick. Klick. Klack. Klick. Klick. Klick. Klick. Klack. Huch, jetzt ist alles öffentlich. Mein nicht bedachtes Denken. Mein Intimbereich, diese von mir kaum wahrgenommene Sphäre.
Ah. Ein Wort an mich. Ja. Ein Wort zu meinen hingeworfenen Worten. Ich berühre mich. Also werfe ich noch etwas. Hin. Dorthin. Dahin. Überall hin, wo andere ebenso Worte werfen. Ich bekomme eines ab. Ein Feines, ein Wohliges, ein Erregendes. Werft her wohin ich werfe!
Dienstag, 16. April 2013
Ich schreibe mich an die Wand. Bin angewortet wie andere angewidert sind, angekettet, festgenagelt, angeprangert. Ich bin angewortet, festgewortet, abgewortet. Abgewrackt. Ohne Prämie.
„An mich lasse ich dich nicht heran!“, denke ich und warte, wie du es anstellen wirst, an mich heran zu langen. Ich sehe dir zu. Ich spiele. Spiele ich? Mit dir? Vor dir? Mit mir selbst vor deinen Augen? „An mich lasse ich dich nicht.!“ Greif doch! Greif hin, greif ran, greif hinein! An was greifst du denn, greifst du nach mir? In Felle und Häute anderer Leben. In Schall und Rauch, greifst nahtlos aus der Luft in die Luft. Wirst Greifarm und Ergriffensein.
Nein. Ich spiel nicht.
Ich setze mich dir aus. Ich setze dich mir aus. Das tut mir manchmal auch leid. Meist im Nachhinein. Denn im Voraus nehme ich mir das nicht vor. Ich komme mit anderen Absichten. Ich komme, weil ich sein möchte, ein klein wenig bleiben. An diesem Ort vor deinen Augen. An diesem Ort vor deiner Stimme. An diesem Ort nur einen Millimeter von deinem Mir-Zugetan-Sein entfernt. Ich komme an diesen Ort und bleibe. Eine Weile sitzen, eine Weile ohne Worte, eine zu lange Weile, um nicht mit dir zu Spielen. Ein Abwehrspiel. Strategiespiel. Ein Geduldsspiel. Und ja. Es tut mir im Nachhinein leid. Aber im Nachhinein ist eine andere Zeit. Und ich kann es nicht mehr ändern. Nicht mein dir Aussetzen, nicht dein mir Ausgesetztsein.
Das tut mir leid.
Ich worte mich an die Wand. Aber nicht vor deinen Augen. Denn an diesem Ort vor deinen Augen, ist dieses Zugetansein. Das möchte ich nicht verworten. Nicht verletzen. Und dann sagst du, vielleicht nur eine Silbe und schon hast du mich. Hast mich verwortet. Mich geschachtelt, veraktet und einsortiert. Und ich speie Stille.
Geschwollene Stilledrüsen drücken mir den Hals zu.
Und du sitzt. Sitzt in deiner Gelassenheit. Sitzt und blickst und schaust und ich warte. Warte auf Worte. Wortwarten. Wartworte. Und dann kommen sie, aber nicht wie Speichelworte. Kommen irgendwie, als wären sie mehr als nur bedacht. Wären über das Denken selbst längst hinaus. Du in deinen Worten. Und ich worte dich an die Wand. Worte dich mit Händen, Füßen, dich in deinem Gelassensessel. Worte dich durch den Raum, der mir auch irgendwie Zeit ist. Die Zeit, dich durch den Raum zu worten, bietet. Ich verworte dich!
Hilflos. Und im Nachhinein tut es mir auch leid.
„An mich lasse ich dich nicht heran!“, denke ich und warte, wie du es anstellen wirst, an mich heran zu langen. Ich sehe dir zu. Ich spiele. Spiele ich? Mit dir? Vor dir? Mit mir selbst vor deinen Augen? „An mich lasse ich dich nicht.!“ Greif doch! Greif hin, greif ran, greif hinein! An was greifst du denn, greifst du nach mir? In Felle und Häute anderer Leben. In Schall und Rauch, greifst nahtlos aus der Luft in die Luft. Wirst Greifarm und Ergriffensein.
Nein. Ich spiel nicht.
Ich setze mich dir aus. Ich setze dich mir aus. Das tut mir manchmal auch leid. Meist im Nachhinein. Denn im Voraus nehme ich mir das nicht vor. Ich komme mit anderen Absichten. Ich komme, weil ich sein möchte, ein klein wenig bleiben. An diesem Ort vor deinen Augen. An diesem Ort vor deiner Stimme. An diesem Ort nur einen Millimeter von deinem Mir-Zugetan-Sein entfernt. Ich komme an diesen Ort und bleibe. Eine Weile sitzen, eine Weile ohne Worte, eine zu lange Weile, um nicht mit dir zu Spielen. Ein Abwehrspiel. Strategiespiel. Ein Geduldsspiel. Und ja. Es tut mir im Nachhinein leid. Aber im Nachhinein ist eine andere Zeit. Und ich kann es nicht mehr ändern. Nicht mein dir Aussetzen, nicht dein mir Ausgesetztsein.
Das tut mir leid.
Ich worte mich an die Wand. Aber nicht vor deinen Augen. Denn an diesem Ort vor deinen Augen, ist dieses Zugetansein. Das möchte ich nicht verworten. Nicht verletzen. Und dann sagst du, vielleicht nur eine Silbe und schon hast du mich. Hast mich verwortet. Mich geschachtelt, veraktet und einsortiert. Und ich speie Stille.
Geschwollene Stilledrüsen drücken mir den Hals zu.
Und du sitzt. Sitzt in deiner Gelassenheit. Sitzt und blickst und schaust und ich warte. Warte auf Worte. Wortwarten. Wartworte. Und dann kommen sie, aber nicht wie Speichelworte. Kommen irgendwie, als wären sie mehr als nur bedacht. Wären über das Denken selbst längst hinaus. Du in deinen Worten. Und ich worte dich an die Wand. Worte dich mit Händen, Füßen, dich in deinem Gelassensessel. Worte dich durch den Raum, der mir auch irgendwie Zeit ist. Die Zeit, dich durch den Raum zu worten, bietet. Ich verworte dich!
Hilflos. Und im Nachhinein tut es mir auch leid.
Dienstag, 12. Februar 2013
Soll doch einer mal sagen, er bringe sich um. Und dann macht er es nicht. Dann steht der da mit seinem unerfüllten Vorhaben. Steht und muss sich seines Lebens rechtfertigen. Muss sich seines Nicht-Ablebens verteidigen. Muss stehen, vielleicht noch den Strick in der Hand, die Steine in der Tasche, das Messer im Hosenbund. Und es stehen die da, denen er es sagte. Sie müssen sich ihrer Zurückhaltung rechtfertigen, müssen sich ihres Einschreitens verteidigen. Sie müssen einander ansehen, der, der sagte, er bringe sich jetzt um und jene, denen er es sagte, und die sehen den Strick, die Steine, das Messer. So stehen sie einander gegenüber und gucken. Gucken, wie ihre Leben aneinander reiben, wie stark diese Reibung ist, ob sie diesen Tatbestand des nicht erfüllten Vorhabens aushalten wird können. Sie gucken einander an, in Leib und Leben. Und glauben sich für jeden Schritt rechtfertigen zu müssen. Das eigene Recht fertigen. Anlegen, vorbereiten, darbieten. Sie müssen damit leben sich ihr Recht anzufertigen, um es anderen aufzutischen.
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