Donnerstag, 25. Juli 2013

Selbstmordattentate sage ich

Ich hänge In Gefilden und Gemengen Hänge ein stückweit nur
entfernt Hänge himmelwärts
wie eine von vielen kleinen Sonden
dich anstrahlend vielleicht Dich mir flach und auch gewölbt
dich mir kugelrund vorstellend

Ich hänge wie in einer gekappten Leitung
Hänge kurz hinter meinen Worten und weiter weg
von deinem Mund

Weiter Weg

Hänge unerreicht und unbeirrt
Drehe Runden
Hänge wie eine Glasfaser zwischen vielen gebündelt
und ummantelt
Gerissen
Irgendwo

Drehe sonnende Runden

Ich tänzle um einen Kreis dessen Maler sich nicht stören lässt
Setze die Masse meines Körpers durch den Raum setzte sie von einen auf den anderen Fuß
bewege Materie
Dass die Zeit dir deine Rahmen sprengt sagst du
und ich sage die Zeit sprengt sich immer nur selbst
in dem ihr möglichen Rahmen

Selbstmordattentate sage ich

Mittwoch, 17. Juli 2013

Ohnehaupt. Ich bin kein Ohnehaupt. Nur das Haar habe ich mir an allen möglichen Stellen rasiert. Überall dort, wo du es für dich möglich hältst. Oder für mich. Vielleicht. Mein Haupthaar ist jetzt ohne Kopf, liegt gestückelt in Zeitungspapier gewickelt, liegt als Müll beim Müll. Unrat und Untat. Nur ein Buchstabe weit voneinander entfernt. Abtrennbares habe ich mir gesagt und mich vom Haar abgetrennt. Vielmehr das Haar von meinem restlichen Körper. Überall dort, wo du es dir ausmalen kannst. Malen, vielleicht mit Kreide auf den Asphalt, immer dann, wenn gerade kein Verkehr ist. Wie du auf den Asphalt, der Straße ist, huschst und zeichnest, mit der Kreide wie mit einem dicken Stift in der Hand. Malst dann einen Körper und malst ihn so, wie du ihn dir haarlos vorstellen kannst. Malst den Hohlkörper auf Asphalt aus.

Ohnehaupt. Ich bin doch nicht kopflos über dich hergekommen. Oder? Ich habe geklopft und dann gekopft und dann noch Punkte darüber gesetzt. Geköpft? Fragst du und staunst über die feinen Unterschiede. Wie dein Haar sich von meinem unterscheidet. Spalten müsste man das können, sagst du und grinst. Einen spaltbreit nur. Um Haaresweiten hattest du mich eingeholt. Ich bin seit meiner Geburt Jahre voraus. Aber dann warst du hier und jetzt bist du an mir vorüber. Ich bin im Stillstand, bin zurück und nicht weiter gekommen. Bis an diesen einen Punkt, an dem mein Haar gestückelt und in Zeitungspapier gewickelt als Müll bei Müll liegt.

Immer diese Haarspaltereien, sagst du. Am Arbeitsplatz, Zuhause, beim Sport. Als trüge man über die Schulter geworfen immer diesen Hackeklotsch aus Kindertagen mit sich, eine Axt hinein gerammt. Und dann werden fein säuberlich Haare aufgelegt, gereiht und zur Spalterei verurteilt. Das Beil, das Spaltwerkzeug saust und braust durch die Luft an deinem haarlosen Kopf vorbei, nah an deinem Ohr entlang, saust und braust, kommt nieder. Spaltet.

Mein armes Ohnehaupthaar. Es ist bis auf das Kleinste gespalten, liegt nass und in Zeitungspapier gewickelt als Müll bei Unrat.


Mittwoch, 10. Juli 2013

Mit allen Ängsten gewaschen. An der Aorta zum Trocknen geleint. Irgendwie in die Luft wie zur Ansicht gehangen. Zur Innen- und Außenschau mit allen Ängsten auf aortrigen Leinen. Du sagst, es ist ein Tier ansässig. In dir von der Untermiete zum Hauptinsassen heran gewachsen. Nicht gekommen. Erst heran, um dann nah bei dir zu sein. Nein. Du sagst, in dir gewachsen. Krebsig dieses Biest. Und ich atme. Atme die immer selbe, in mir längst abgeatmete Luft. Ich kriege keine krebsigen Kreise. Will deine stören!

Ich werde zum Stoer. Und ich laiche in leicht salzigen Gefilden. Laiche meine Leichenkinder. Hoffnung. Habe ich die meisten genannt. Totgenannte schon vor ihrer Geburt. Wir sind keine Hoffnungsträger. Sage ich noch und kreise das krebsige Kriechtier in dir. Kreise es ein und möchte es aus dir heraus kreisen.

Kreischen, sagst du. Du könntest Kreischen und dich an deinem Gebrüll aufreiben. Alles ab- und aufreiben. Sodass der Insasse blank liegt. Fluchtgedanken bekommen könnte. Kreisch du kreisbleiche Krebsige.

Sonntag, 30. Juni 2013

Einer ist da. Nennt dich Mädchen und weiß gar nicht, wie alt du bist. Bist längst kein Kind mehr, keine Frau, bist Greisin der eigenen Zeit. Lebenszeit. Und fragt dich, nach deinem Befinden, als wäre an dir noch irgendetwas zu finden. Such- und Fundorte. Hautwärts, von innen nach außen dringend, mögen noch Furchen sein. Aufenthaltsorte. Vielleicht Wortwölbungen. Oder Ausstülpungen wie Geschwüre. Wenn Worte deinen Leib wölben. Stell es dir vor. Und dann stell dir mich als wölbende und gewölbte Greisin vor. Wie ich sitze und unförmig werde. Es längst bin. Ballonartig. Nicht in die Luft aufsteigend, viel eher sinkend, zu Boden stürzend, wie ein Geröll. Hernieder. Um- und anstoßend. Lawinen auslösend.

Wie ist also mein Finden, und wo genau befinde ich mich, während einer da ist und fragt. Finde nicht aus mir heraus und befinde mich dennoch an ungesehenen Orten, in ganzen Landstrichen, die von irgendher in mir abgehen, ausweichen und abufern. Ich bin der Ausgangspunkt all dieser Linien, die zu mir führen, die aus mir herausführen.

Samstag, 29. Juni 2013

Die Flüsse sind uferlos geworden. Ich rette mich auf das letzte und, so wie es aussieht, das kleinste Stück Festland. Ein Hügelhaufen, eine nach oben gerichtete Mulde. Ich gucke und sehe alles nur uferlos sein.

Mit dem, was man über sich selbst zugibt, oder mit dem, was man über sich selbst in Erfahrung bringt, steht man dann manchmal so. Auf einer umgekehrt aufgeschichteten Mulde. Steht auf diesen Aus- und Umstülpungen wie auf einem Sprungbrett. Nur für den Sprung unvorbereitet. Nicht bereit.

Ich werde weich. Wie ein zu lang umspülter Damm. Einbrüche. Allerorts. Ich muss immer wieder testen, mich austesten, wie viel ich noch imstande bin abzuhalten. Auszuhalten. Und Auswege, Lösungen suchen, wenn ich nicht mehr halte. Nichts mehr ab- und aushalte.

Gedankenräume brechen. Fallen zusammen und übereinander her. Raumlos. Unverortet. Wie ein Kind ohne Geburtskanal. Ohne Richtung und Hinweis, ohne Zukunft und deren Möglichkeit. Auch zu entkommen. Nicht entkommbar. Auch deswegen dieses Rennen. Jeden Tag dagegen an- und davonrennen.

Dienstag, 25. Juni 2013

Wenn einer einen Narren gefressen hat, sagt man dann, Narrzissmus? Und wenn sich dann einer über das doppel R aufregt, sage ich dann Rarität? Revolution, Rassismus? Schau doch mal in den Wind, sage ich dann, statt der anderen Sätze, denn wer in den Wind schaut, dem vergeht hin und wieder das Atmen. Es bleibt im Halse stecken, weil der Wind den Atem direkt hineinbläst, man bläht sozusagen im Hals auf, und das Geblasene drückt an die Kehlmauer und lässt sich nicht schlucken. Ja. Schau in den Wind, werde ich sagen.

Am Kopf lasse ich mich nicht fassen. Die Haare sind geschoren. Als sei ich ein Knabe, dem es gilt, das Grün hinter den Ohren zu mähen. Ein Schaf auf der Wiese, das sich nach dem Scheren nicht mehr als Schaf auf der Wiese fassen lässt. Nur noch ein gerupftes Tier, das grast. Kein Wollspender, kein Weichdenker, kein Kuscheleffekt. Mein Kopf ist also fassungslos. Faschismus?

Wörterbücher sind da, um auswendig gelernt zu werden. Lerne ein Wort und du versteht ein anderes. Ich sage immer, auswendig ist der sicherste Weg. Schau auf die Karte, präge dir den Weg und die Straßennamen ein, und du wirst dich nicht verlaufen. So ist es auch mit den Worten. Wer sich verspricht, hat nicht auswendig gelernt. Das Wörterbuch zum Beispiel.

Mit den Gefühlen ist das ähnlich. Es gibt eine ganze Palette. Und man kann sie mischen. Man muss ausprobieren, um zu wissen, welches wann und wo und wie genau passend sein kann, passend sein wird, ist. Man muss probieren und vor allem, auswendig lernen! Dann ist die Anwendung einfacher. Reibungslos, sozusagen. Und auch das Erkennen im Gegenüber. Das ist die höchste Kunst. Kein Geist ist je vom Himmel gefallen. Eher aus einem Körper hervorgetreten. Wenn überhaupt. Auch das Genie lernt und denkt und vergleicht. Und lernt auswendig. Womöglich etwas leichter, schneller, problemloser, nicht wie ein aktives Handeln, das Lernen.

Ja. Ja. Also, der Narrenfresser. Fallstricke sind immer die sichersten Seile, um jemanden gefangen zu nehmen.

Dienstag, 7. Mai 2013

Ich breche und gebe. Überbreche und Ergebe mich. Bei all diesen Worten. Worterlich. Nein. Wunderlich wollte ich sagen. Schreibwerkstätten. Mit Hammer und Bohrer. Aus Großholz wird Kleinholz gemacht. Mir schwirrt es vor Augen. Es schwirren Aphorismen, die keine sind, nur so kategorisiert werden, es schwirren Kurzgeschichten, die keine sind, nur in vier Zeilen länge ein Geschehen behaupten, es schwirren Gedichte, Essays, ja ganze Romanauszüge. Selbst beim Schließen der Augen schwirrt mir der Schädel. Was ich nicht sehe, ist längst nicht aus dem Sinn. Ich ergebe und erbrach mich. Das eine jetzt, das andere schon vorhin.

Schwirren. Schwirrte. Schwor. Geschworen. Ich habe nicht bei Gott, aber mit gekreuzten Fingern geschworen. Abgeschworen den Foren. Den wortreichen Orgasmen. Den Vorspielgaukeleien, den Schlummerliedern. Ich schwirrte mir selbst vor Augen. Ich schwirre und schwöre. Wenn du immer wieder SCHWIRREN sagst, wird dir ganz schummerig. Und das nur aus einem Wort heraus.

Wer mag, denkt nach. Der große Rest tut anderes.

Ich ergebe mich der Schnelligkeit meiner Finger. Mein Denken kommt kaum nach. Aber geschrieben wird trotzdem. Aus dem Rasen ist schlecht holen. Herausholen aus dem Rasen, meine ich. Oder hat schon einmal jemand einen anderen aus einem rasenden Auto geholt? Meine Finger rasen. Siehst du. Schon steht hier das Wort. Und so rasen sie auch durch Foren. Klick. Klick. Klick. Klack. Klick. Klick. Klick. Klick. Klack. Huch, jetzt ist alles öffentlich. Mein nicht bedachtes Denken. Mein Intimbereich, diese von mir kaum wahrgenommene Sphäre.

Ah. Ein Wort an mich. Ja. Ein Wort zu meinen hingeworfenen Worten. Ich berühre mich. Also werfe ich noch etwas. Hin. Dorthin. Dahin. Überall hin, wo andere ebenso Worte werfen. Ich bekomme eines ab. Ein Feines, ein Wohliges, ein Erregendes. Werft her wohin ich werfe!