Wenn einer einen Narren gefressen hat, sagt man dann, Narrzissmus? Und wenn sich dann einer über das doppel R aufregt, sage ich dann Rarität? Revolution, Rassismus? Schau doch mal in den Wind, sage ich dann, statt der anderen Sätze, denn wer in den Wind schaut, dem vergeht hin und wieder das Atmen. Es bleibt im Halse stecken, weil der Wind den Atem direkt hineinbläst, man bläht sozusagen im Hals auf, und das Geblasene drückt an die Kehlmauer und lässt sich nicht schlucken. Ja. Schau in den Wind, werde ich sagen.
Am Kopf lasse ich mich nicht fassen. Die Haare sind geschoren. Als sei ich ein Knabe, dem es gilt, das Grün hinter den Ohren zu mähen. Ein Schaf auf der Wiese, das sich nach dem Scheren nicht mehr als Schaf auf der Wiese fassen lässt. Nur noch ein gerupftes Tier, das grast. Kein Wollspender, kein Weichdenker, kein Kuscheleffekt. Mein Kopf ist also fassungslos. Faschismus?
Wörterbücher sind da, um auswendig gelernt zu werden. Lerne ein Wort und du versteht ein anderes. Ich sage immer, auswendig ist der sicherste Weg. Schau auf die Karte, präge dir den Weg und die Straßennamen ein, und du wirst dich nicht verlaufen. So ist es auch mit den Worten. Wer sich verspricht, hat nicht auswendig gelernt. Das Wörterbuch zum Beispiel.
Mit den Gefühlen ist das ähnlich. Es gibt eine ganze Palette. Und man kann sie mischen. Man muss ausprobieren, um zu wissen, welches wann und wo und wie genau passend sein kann, passend sein wird, ist. Man muss probieren und vor allem, auswendig lernen! Dann ist die Anwendung einfacher. Reibungslos, sozusagen. Und auch das Erkennen im Gegenüber. Das ist die höchste Kunst. Kein Geist ist je vom Himmel gefallen. Eher aus einem Körper hervorgetreten. Wenn überhaupt. Auch das Genie lernt und denkt und vergleicht. Und lernt auswendig. Womöglich etwas leichter, schneller, problemloser, nicht wie ein aktives Handeln, das Lernen.
Ja. Ja. Also, der Narrenfresser. Fallstricke sind immer die sichersten Seile, um jemanden gefangen zu nehmen.
"Dies hier sind so meine eigenen Einfälle, wodurch ich nicht beabsichtige, das Wesen der Dinge ans Licht zu bringen, sondern mich selbst." Michel de Montaigne
Dienstag, 25. Juni 2013
Dienstag, 7. Mai 2013
Ich breche und gebe. Überbreche und Ergebe mich. Bei all diesen Worten. Worterlich. Nein. Wunderlich wollte ich sagen. Schreibwerkstätten. Mit Hammer und Bohrer. Aus Großholz wird Kleinholz gemacht. Mir schwirrt es vor Augen. Es schwirren Aphorismen, die keine sind, nur so kategorisiert werden, es schwirren Kurzgeschichten, die keine sind, nur in vier Zeilen länge ein Geschehen behaupten, es schwirren Gedichte, Essays, ja ganze Romanauszüge. Selbst beim Schließen der Augen schwirrt mir der Schädel. Was ich nicht sehe, ist längst nicht aus dem Sinn. Ich ergebe und erbrach mich. Das eine jetzt, das andere schon vorhin.
Schwirren. Schwirrte. Schwor. Geschworen. Ich habe nicht bei Gott, aber mit gekreuzten Fingern geschworen. Abgeschworen den Foren. Den wortreichen Orgasmen. Den Vorspielgaukeleien, den Schlummerliedern. Ich schwirrte mir selbst vor Augen. Ich schwirre und schwöre. Wenn du immer wieder SCHWIRREN sagst, wird dir ganz schummerig. Und das nur aus einem Wort heraus.
Wer mag, denkt nach. Der große Rest tut anderes.
Ich ergebe mich der Schnelligkeit meiner Finger. Mein Denken kommt kaum nach. Aber geschrieben wird trotzdem. Aus dem Rasen ist schlecht holen. Herausholen aus dem Rasen, meine ich. Oder hat schon einmal jemand einen anderen aus einem rasenden Auto geholt? Meine Finger rasen. Siehst du. Schon steht hier das Wort. Und so rasen sie auch durch Foren. Klick. Klick. Klick. Klack. Klick. Klick. Klick. Klick. Klack. Huch, jetzt ist alles öffentlich. Mein nicht bedachtes Denken. Mein Intimbereich, diese von mir kaum wahrgenommene Sphäre.
Ah. Ein Wort an mich. Ja. Ein Wort zu meinen hingeworfenen Worten. Ich berühre mich. Also werfe ich noch etwas. Hin. Dorthin. Dahin. Überall hin, wo andere ebenso Worte werfen. Ich bekomme eines ab. Ein Feines, ein Wohliges, ein Erregendes. Werft her wohin ich werfe!
Schwirren. Schwirrte. Schwor. Geschworen. Ich habe nicht bei Gott, aber mit gekreuzten Fingern geschworen. Abgeschworen den Foren. Den wortreichen Orgasmen. Den Vorspielgaukeleien, den Schlummerliedern. Ich schwirrte mir selbst vor Augen. Ich schwirre und schwöre. Wenn du immer wieder SCHWIRREN sagst, wird dir ganz schummerig. Und das nur aus einem Wort heraus.
Wer mag, denkt nach. Der große Rest tut anderes.
Ich ergebe mich der Schnelligkeit meiner Finger. Mein Denken kommt kaum nach. Aber geschrieben wird trotzdem. Aus dem Rasen ist schlecht holen. Herausholen aus dem Rasen, meine ich. Oder hat schon einmal jemand einen anderen aus einem rasenden Auto geholt? Meine Finger rasen. Siehst du. Schon steht hier das Wort. Und so rasen sie auch durch Foren. Klick. Klick. Klick. Klack. Klick. Klick. Klick. Klick. Klack. Huch, jetzt ist alles öffentlich. Mein nicht bedachtes Denken. Mein Intimbereich, diese von mir kaum wahrgenommene Sphäre.
Ah. Ein Wort an mich. Ja. Ein Wort zu meinen hingeworfenen Worten. Ich berühre mich. Also werfe ich noch etwas. Hin. Dorthin. Dahin. Überall hin, wo andere ebenso Worte werfen. Ich bekomme eines ab. Ein Feines, ein Wohliges, ein Erregendes. Werft her wohin ich werfe!
Dienstag, 16. April 2013
Ich schreibe mich an die Wand. Bin angewortet wie andere angewidert sind, angekettet, festgenagelt, angeprangert. Ich bin angewortet, festgewortet, abgewortet. Abgewrackt. Ohne Prämie.
„An mich lasse ich dich nicht heran!“, denke ich und warte, wie du es anstellen wirst, an mich heran zu langen. Ich sehe dir zu. Ich spiele. Spiele ich? Mit dir? Vor dir? Mit mir selbst vor deinen Augen? „An mich lasse ich dich nicht.!“ Greif doch! Greif hin, greif ran, greif hinein! An was greifst du denn, greifst du nach mir? In Felle und Häute anderer Leben. In Schall und Rauch, greifst nahtlos aus der Luft in die Luft. Wirst Greifarm und Ergriffensein.
Nein. Ich spiel nicht.
Ich setze mich dir aus. Ich setze dich mir aus. Das tut mir manchmal auch leid. Meist im Nachhinein. Denn im Voraus nehme ich mir das nicht vor. Ich komme mit anderen Absichten. Ich komme, weil ich sein möchte, ein klein wenig bleiben. An diesem Ort vor deinen Augen. An diesem Ort vor deiner Stimme. An diesem Ort nur einen Millimeter von deinem Mir-Zugetan-Sein entfernt. Ich komme an diesen Ort und bleibe. Eine Weile sitzen, eine Weile ohne Worte, eine zu lange Weile, um nicht mit dir zu Spielen. Ein Abwehrspiel. Strategiespiel. Ein Geduldsspiel. Und ja. Es tut mir im Nachhinein leid. Aber im Nachhinein ist eine andere Zeit. Und ich kann es nicht mehr ändern. Nicht mein dir Aussetzen, nicht dein mir Ausgesetztsein.
Das tut mir leid.
Ich worte mich an die Wand. Aber nicht vor deinen Augen. Denn an diesem Ort vor deinen Augen, ist dieses Zugetansein. Das möchte ich nicht verworten. Nicht verletzen. Und dann sagst du, vielleicht nur eine Silbe und schon hast du mich. Hast mich verwortet. Mich geschachtelt, veraktet und einsortiert. Und ich speie Stille.
Geschwollene Stilledrüsen drücken mir den Hals zu.
Und du sitzt. Sitzt in deiner Gelassenheit. Sitzt und blickst und schaust und ich warte. Warte auf Worte. Wortwarten. Wartworte. Und dann kommen sie, aber nicht wie Speichelworte. Kommen irgendwie, als wären sie mehr als nur bedacht. Wären über das Denken selbst längst hinaus. Du in deinen Worten. Und ich worte dich an die Wand. Worte dich mit Händen, Füßen, dich in deinem Gelassensessel. Worte dich durch den Raum, der mir auch irgendwie Zeit ist. Die Zeit, dich durch den Raum zu worten, bietet. Ich verworte dich!
Hilflos. Und im Nachhinein tut es mir auch leid.
„An mich lasse ich dich nicht heran!“, denke ich und warte, wie du es anstellen wirst, an mich heran zu langen. Ich sehe dir zu. Ich spiele. Spiele ich? Mit dir? Vor dir? Mit mir selbst vor deinen Augen? „An mich lasse ich dich nicht.!“ Greif doch! Greif hin, greif ran, greif hinein! An was greifst du denn, greifst du nach mir? In Felle und Häute anderer Leben. In Schall und Rauch, greifst nahtlos aus der Luft in die Luft. Wirst Greifarm und Ergriffensein.
Nein. Ich spiel nicht.
Ich setze mich dir aus. Ich setze dich mir aus. Das tut mir manchmal auch leid. Meist im Nachhinein. Denn im Voraus nehme ich mir das nicht vor. Ich komme mit anderen Absichten. Ich komme, weil ich sein möchte, ein klein wenig bleiben. An diesem Ort vor deinen Augen. An diesem Ort vor deiner Stimme. An diesem Ort nur einen Millimeter von deinem Mir-Zugetan-Sein entfernt. Ich komme an diesen Ort und bleibe. Eine Weile sitzen, eine Weile ohne Worte, eine zu lange Weile, um nicht mit dir zu Spielen. Ein Abwehrspiel. Strategiespiel. Ein Geduldsspiel. Und ja. Es tut mir im Nachhinein leid. Aber im Nachhinein ist eine andere Zeit. Und ich kann es nicht mehr ändern. Nicht mein dir Aussetzen, nicht dein mir Ausgesetztsein.
Das tut mir leid.
Ich worte mich an die Wand. Aber nicht vor deinen Augen. Denn an diesem Ort vor deinen Augen, ist dieses Zugetansein. Das möchte ich nicht verworten. Nicht verletzen. Und dann sagst du, vielleicht nur eine Silbe und schon hast du mich. Hast mich verwortet. Mich geschachtelt, veraktet und einsortiert. Und ich speie Stille.
Geschwollene Stilledrüsen drücken mir den Hals zu.
Und du sitzt. Sitzt in deiner Gelassenheit. Sitzt und blickst und schaust und ich warte. Warte auf Worte. Wortwarten. Wartworte. Und dann kommen sie, aber nicht wie Speichelworte. Kommen irgendwie, als wären sie mehr als nur bedacht. Wären über das Denken selbst längst hinaus. Du in deinen Worten. Und ich worte dich an die Wand. Worte dich mit Händen, Füßen, dich in deinem Gelassensessel. Worte dich durch den Raum, der mir auch irgendwie Zeit ist. Die Zeit, dich durch den Raum zu worten, bietet. Ich verworte dich!
Hilflos. Und im Nachhinein tut es mir auch leid.
Dienstag, 12. Februar 2013
Soll doch einer mal sagen, er bringe sich um. Und dann macht er es nicht. Dann steht der da mit seinem unerfüllten Vorhaben. Steht und muss sich seines Lebens rechtfertigen. Muss sich seines Nicht-Ablebens verteidigen. Muss stehen, vielleicht noch den Strick in der Hand, die Steine in der Tasche, das Messer im Hosenbund. Und es stehen die da, denen er es sagte. Sie müssen sich ihrer Zurückhaltung rechtfertigen, müssen sich ihres Einschreitens verteidigen. Sie müssen einander ansehen, der, der sagte, er bringe sich jetzt um und jene, denen er es sagte, und die sehen den Strick, die Steine, das Messer. So stehen sie einander gegenüber und gucken. Gucken, wie ihre Leben aneinander reiben, wie stark diese Reibung ist, ob sie diesen Tatbestand des nicht erfüllten Vorhabens aushalten wird können. Sie gucken einander an, in Leib und Leben. Und glauben sich für jeden Schritt rechtfertigen zu müssen. Das eigene Recht fertigen. Anlegen, vorbereiten, darbieten. Sie müssen damit leben sich ihr Recht anzufertigen, um es anderen aufzutischen.
Freitag, 8. Februar 2013
Ich bin mit allen Wassern nach oben geschwemmt. Bin vor die Tür getreten, gestoßen worden, bin gewollt am Schopf gepackt und ans Oberwasser gezerrt worden. Nur einzig mit dem Ziel, mich kopfunter zu tauchen. Mich atmen zu lassen, was nicht atembar ist. Mich so zu lassen.
Es ist ein kleiner Raum. Beengt ist man in ihm. Kein Blick kann entweichen und keine Flucht kann gelingen. Geborgen engt sich alles um einen herum. Die Angst, der Zorn, das kindische Verlangen nach Aufmerksamkeit, überhaupt das Verlangen nach irgendwas. Nur nicht unbeachtet sein. Man will gesehen werden mit all den beengenden Gefühlen, den Gegebenheiten. Wie sie sind und nicht anders sein wollen. Wie sie sind und einen zu dem Menschen machen, der man ist. Ob man es will oder nicht. Man ist bereits dieser Mensch, der hier sitzt. In diesem Raum ohne Möglichkeit zu entkommen. Sich selbst ausgeliefert. Sich und seinem Menschsein. Vor die Fragen wie vor eine Wand gestellt. Mit Händen und Füßen an die Worte genagelt, die irgendwas wollen. Dabei hat man es längst durchschaut, hat diesen Raum mit seiner Enge ausgemessen, hat die Varianten, sich darin zu stapeln und zu schichten längst ausgewogen, hat begonnen, Maß zu schneidern. Mit genagelten Händen und Füßen. Mit den umbundenen Worten, die nicht anders als leichte Schnüre sind, einen Kinderdrachen im Wind zu halten.
Hände und Füße arbeiten. Die Arbeit beginnt in den Fingern. Die einzig im Raum frei beweglichen. Sie scharren, sie klopfen Töne und werden nur seitwärts kommend wahrgenommen, werden wie ferne Trommeln gehört, der Rhythmus ihrer Arbeit. Befreiungsarbeit. Die Finger kratzen und klopfen, drängen die Bewegung in den Arm, eine Bewegung, die nichts als Flucht bedeuten möchte und ihrer Bedeutung nirgends nachkommen kann. Also bewegen sich die Arme im Raum, zeichnen Kreise, obwohl alles Empfinden eine Scheibe ist. Randwärts stürzt alles ab. Absturzgrenze. Nicht überschreiten. Nicht hinan- und folglich hinabgleiten. Die Arme geben die Unruhe in die Beine, die mühsam ihr Gewicht im Sessel halten. Sie überschlagen sich und treten sich so selbst zur Stille. Unruhe. Sie breitet sich aus, breitet sich in jeden Körperwinkel, wird ansässig und weilt darin, während der Raum nicht größer wird.
Ich wurde mit allen Wassern und allem, was sich darin befindet nach oben geschwemmt. Da liege ich nun der Umwelt nicht angemessen. Unangepasst in einem Raum, der eigentlich gar nicht ist.
Nein. Von mir mache ich keine Reden. Nicht, weil da nichts wäre. Nur da ist nicht viel, um dass sich Reden lohnt. Wenn zu Beginn immer eine Rede steht, weilt sich das Feld aus. Was ist der Rede wert, was das einzelne Wort? Was ist der Mensch der Rede wert? Ich stülpe von innen nach außen, ich stülpe und schaue hinein, kaum Beredbares. Und doch formen sich Worte, formt sich Inhalt, formt sich Aussage. Und wer hinhört, wenn denn einer hinhört, der wird etwas verstehen, wird vielleicht etwas von dem verstehen, was der Worte wert geworden ist. Aber wie lösen wir unsere Worte? Lösen sie wie eine Handvoll Salz im Meer. Lösen sie in Unmengen um uns herum, lösen uns damit auf.
Nein. Von mir mache ich kaum mehr Reden.
Und doch. In dieser Enge ist etwas, was hält. Hält einen fest, hält einen von dieser Absturzgrenze fern, obwohl es auch hinträgt. Pendelt einen ein, pendelt einen hin, pendelt einen zurück. Pendelt. Nicht in ein Ausgewogensein. Aber andernorts hin. Diese Enge schützt einen, sie lässt nichts heraus, lässt nichts herein, lässt sich einem selbst nur. Wenn auch ausgeliefert sein.
Und dann ist da ein Mensch. Einer, der in dieser Enge sitzt, sie gar nicht empfindet, sie aber um einen herum wahrzunehmen scheint. Einer, der wartet. Auf Worte wartet der, und wenn keine kommen, formt er sie in den Raum, passend dazu, als wären diese Worte ein Bild, welches zur Wandfarbe passend angefertigt worden ist. Warme Worte. Worte, die ausgewählt scheinen, ausgewählt eine Stelle zu treffen, die womöglich zu berühren gilt. Nur zu berühren gilt, um etwas auszulösen oder loszulösen. Einen Perspektivwechsel vielleicht. Ein Empfinden aus anderer Sicht. Ein Hineinhören. Und dann hört man, was man längst schon gehört hat. Und vielleicht versteht man endlich etwas von dem, was man immer nur hört. Oder man ist still. Still in diesem Hören und findet nur etwas Dumpfes darin.
Dumpf. Ein unausgefochtenes Gefühl, eines, das werden wollte. Aber nicht konnte. Blieb in sich zurück, blieb verkümmert, blieb ohne Kenntnis.
In dieser Enge des Raumes bleibt, was man gesprochen hat, bleibt jedes Wort, wenn es nicht in den Hinterzimmern der Köpfe mit hinaus und fortgetragen wird. Aber was gelangt hinein in diese Hinterzimmer, was gelangt in die Köpfe? Wenn diese sich im Raum wiegen, als wiegten sich schwere Eichen im Sommer.
Ich bin mit allen Wassern angeschwemmt. Mit den Unter- und Oberwassern, mit den grünen und sumpfigen, mit kristallenen Berg- und Flusswassern. Bin überschwemmt und angespült worden. Nun bin ich hier. Möchte bleiben, möchte irgendwie sein und alles in mir treibt wie Wasser davon. Treibt einer Richtung hinterher, die ich unmöglich auf Dauer halten kann. Treibt und spaltet mich wie ein Delta auseinander.
Die Enge hält mich in Grenzen.
Es ist ein kleiner Raum. Beengt ist man in ihm. Kein Blick kann entweichen und keine Flucht kann gelingen. Geborgen engt sich alles um einen herum. Die Angst, der Zorn, das kindische Verlangen nach Aufmerksamkeit, überhaupt das Verlangen nach irgendwas. Nur nicht unbeachtet sein. Man will gesehen werden mit all den beengenden Gefühlen, den Gegebenheiten. Wie sie sind und nicht anders sein wollen. Wie sie sind und einen zu dem Menschen machen, der man ist. Ob man es will oder nicht. Man ist bereits dieser Mensch, der hier sitzt. In diesem Raum ohne Möglichkeit zu entkommen. Sich selbst ausgeliefert. Sich und seinem Menschsein. Vor die Fragen wie vor eine Wand gestellt. Mit Händen und Füßen an die Worte genagelt, die irgendwas wollen. Dabei hat man es längst durchschaut, hat diesen Raum mit seiner Enge ausgemessen, hat die Varianten, sich darin zu stapeln und zu schichten längst ausgewogen, hat begonnen, Maß zu schneidern. Mit genagelten Händen und Füßen. Mit den umbundenen Worten, die nicht anders als leichte Schnüre sind, einen Kinderdrachen im Wind zu halten.
Hände und Füße arbeiten. Die Arbeit beginnt in den Fingern. Die einzig im Raum frei beweglichen. Sie scharren, sie klopfen Töne und werden nur seitwärts kommend wahrgenommen, werden wie ferne Trommeln gehört, der Rhythmus ihrer Arbeit. Befreiungsarbeit. Die Finger kratzen und klopfen, drängen die Bewegung in den Arm, eine Bewegung, die nichts als Flucht bedeuten möchte und ihrer Bedeutung nirgends nachkommen kann. Also bewegen sich die Arme im Raum, zeichnen Kreise, obwohl alles Empfinden eine Scheibe ist. Randwärts stürzt alles ab. Absturzgrenze. Nicht überschreiten. Nicht hinan- und folglich hinabgleiten. Die Arme geben die Unruhe in die Beine, die mühsam ihr Gewicht im Sessel halten. Sie überschlagen sich und treten sich so selbst zur Stille. Unruhe. Sie breitet sich aus, breitet sich in jeden Körperwinkel, wird ansässig und weilt darin, während der Raum nicht größer wird.
Ich wurde mit allen Wassern und allem, was sich darin befindet nach oben geschwemmt. Da liege ich nun der Umwelt nicht angemessen. Unangepasst in einem Raum, der eigentlich gar nicht ist.
Nein. Von mir mache ich keine Reden. Nicht, weil da nichts wäre. Nur da ist nicht viel, um dass sich Reden lohnt. Wenn zu Beginn immer eine Rede steht, weilt sich das Feld aus. Was ist der Rede wert, was das einzelne Wort? Was ist der Mensch der Rede wert? Ich stülpe von innen nach außen, ich stülpe und schaue hinein, kaum Beredbares. Und doch formen sich Worte, formt sich Inhalt, formt sich Aussage. Und wer hinhört, wenn denn einer hinhört, der wird etwas verstehen, wird vielleicht etwas von dem verstehen, was der Worte wert geworden ist. Aber wie lösen wir unsere Worte? Lösen sie wie eine Handvoll Salz im Meer. Lösen sie in Unmengen um uns herum, lösen uns damit auf.
Nein. Von mir mache ich kaum mehr Reden.
Und doch. In dieser Enge ist etwas, was hält. Hält einen fest, hält einen von dieser Absturzgrenze fern, obwohl es auch hinträgt. Pendelt einen ein, pendelt einen hin, pendelt einen zurück. Pendelt. Nicht in ein Ausgewogensein. Aber andernorts hin. Diese Enge schützt einen, sie lässt nichts heraus, lässt nichts herein, lässt sich einem selbst nur. Wenn auch ausgeliefert sein.
Und dann ist da ein Mensch. Einer, der in dieser Enge sitzt, sie gar nicht empfindet, sie aber um einen herum wahrzunehmen scheint. Einer, der wartet. Auf Worte wartet der, und wenn keine kommen, formt er sie in den Raum, passend dazu, als wären diese Worte ein Bild, welches zur Wandfarbe passend angefertigt worden ist. Warme Worte. Worte, die ausgewählt scheinen, ausgewählt eine Stelle zu treffen, die womöglich zu berühren gilt. Nur zu berühren gilt, um etwas auszulösen oder loszulösen. Einen Perspektivwechsel vielleicht. Ein Empfinden aus anderer Sicht. Ein Hineinhören. Und dann hört man, was man längst schon gehört hat. Und vielleicht versteht man endlich etwas von dem, was man immer nur hört. Oder man ist still. Still in diesem Hören und findet nur etwas Dumpfes darin.
Dumpf. Ein unausgefochtenes Gefühl, eines, das werden wollte. Aber nicht konnte. Blieb in sich zurück, blieb verkümmert, blieb ohne Kenntnis.
In dieser Enge des Raumes bleibt, was man gesprochen hat, bleibt jedes Wort, wenn es nicht in den Hinterzimmern der Köpfe mit hinaus und fortgetragen wird. Aber was gelangt hinein in diese Hinterzimmer, was gelangt in die Köpfe? Wenn diese sich im Raum wiegen, als wiegten sich schwere Eichen im Sommer.
Ich bin mit allen Wassern angeschwemmt. Mit den Unter- und Oberwassern, mit den grünen und sumpfigen, mit kristallenen Berg- und Flusswassern. Bin überschwemmt und angespült worden. Nun bin ich hier. Möchte bleiben, möchte irgendwie sein und alles in mir treibt wie Wasser davon. Treibt einer Richtung hinterher, die ich unmöglich auf Dauer halten kann. Treibt und spaltet mich wie ein Delta auseinander.
Die Enge hält mich in Grenzen.
Dienstag, 5. Februar 2013
Bretter, die einem die Welt bedeuten, kann jeder sammeln und sich zu einer Bühne zimmern. Also ziehe ich los, sammle Reisig und Treibholz, sammle auf, was sich irgendher anschwemmt. Hauptsache sammeln und horten, einen Vorrat schaffen, als wäre damit auch immer ein Sack guter Räte im Haus. Ich zimmere Zimmer an Zimmer, Räume zu schaffen. Räume für Gesagtes und Ungesagtes, Räume für zwischendurch, Räume mit Durchgangstüren. Zwischenräume. Nischen und Nistplätze.
Die Straßen sind leer und die Menschen kommen nicht umhin, einander anzustoßen. Denn woran denn stoßen, wenn nicht an den Anderen? Ich stoße direkt und ohne Umschweife, stoße mich an jedem und jeder, stoße hin und lange zu. Viel zu lange bin ich unumstößlich gewesen. Aber jetzt mit den Bretten, die irgendeinem seine Welt bedeuten ….
Ich hämmere und zimmere, dir eine Bühne, dem ein Luftgefährt, einem anderen ein Laufrad. Zimmern und hämmern, hämmern und zimmern.
Wohin gelangst du, wenn dir etwas gelungen ist? Langst heran an ein Ziel? An eine Zielsetzung, an einen festgelegten Punkt, der nur markiert, was du Ziel nennst? Wohin gelangen wir beim Erreichen der Dinge?
Gelangen über uns hinaus, in uns hinein? Gelangen irgend hin?
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