Eine mögliche Brieffolge:
Ich habe dich grünhäutig im Arm. Vielleicht auch nur in der Erinnerung. Aber wer kann wissen, wie nah oder fern eine Umarmung wirklich ist. Wer kann von den gelebten oder ungelebten Momenten wirklich wissen? Man sagt nicht ungelebt, sagst du, man sagt, tot. Und weil du das sagst, weiß ich, du hörst nicht, du sagst nur und hörst nicht.
Das sind immer nur die Momente, von denen wir leben. Der Moment des Erwachens, der Augenblick, wenn man freudig einen Brief empfangen hat und gespannt den Bogen Papier auseinander faltet. Diese kurze, kaum sechzigsekundige Minute, die ein Kuss manchmal nur anhält, aber tagelang etwas aufrührt. Es sind immer nur Akte in der Zeit, die wir erleben. Und manchmal sagst du, du hast geträumt, während ich an den Fingern die Stunden abzähle und irgendwann auch zu einem Schluss gelange. Kurz Schluss.
Wie deine Haare sich über meine grüne Erinnerung kräuseln, und deine Brust sich an meine schmiegt, weil sie sich nach einer zweiten, einer linksseitigen sehnt. Wie wir so sind und parallel in der Zeit existieren, in Ort und Raum. Meine Haut ist Ort für allerhand, früher fanden sich passgenau deine Lebenslinien darin. Früher fand sich so viel. Aus den Hinterzimmern stürzten wir in die Vorkammern, spannten Segel und …
Kosmonauten waren wir in den Universen des jeweils anderen.
Man sagt Ausbruch, nicht Flucht, sagst du und ich sehe dich brechen, aus dir heraus und denke an die Fluchtkörper. Vater hatte einen, Mutter wollte keinen und ich bin einer. Nur Haut und Flucht. Und wenn wir mit den Buchstaben beginnen zu spielen, den einen durch den anderen ersetzen, setzen wir Veränderung in Gang, schieben zwischen die Universen schwarze Löcher, Zeitschleifen, zwingen Parallele in eine Kreuzung und beginnen uns vielleicht an dem Punkt zu fragen, ob die Existenz von uns oder aber wir von ihr abhängig sind. Aufbruch. Deine gelbe Erinnerung, dein Auftauchen in Fluchträumen.
Vater war wenigstens immerwährend abwesend, inzwischen Mutter ein Hier und Dort war. Dann lieber ganz auf der Flucht, denke ich, als zeitlang auf Zwischenstation. Flucht ist auch eine Art von Gedächtnisverlust. Dass ich nicht weiß, wann und wo wir uns das erste Mal sahen, ist nur zu verständlich. Dass aber du Ort, Zeit und Datum so genau angeben kannst, ist verwunderlich. Zwischen den Jahren, sagt man, und ich meine, zwischen den Leben sagen zu müssen.
Ich sehe dich Briefe schreiben, sehe dich sitzen zwischen Elefanten und Maulwürfen unter Eich und Tieck. Dabei solltest du über Utopien der Unmittelbarkeit nachdenken, solltest lernen und vom Gelernten erfahren und ereignen. Aber ich sehe dich sitzen am Morgen wie im Tag und darauf folgend in der Nacht. Doch wenn einer eine Reise macht, sage ich zu dir über deine Schulter hinweg, sitzt er nicht. Selbst wenn der Gedanke flieht, zieht er den Körper nach, zieht ihn irgendwo aber nicht an die Fesseln einer Stuhllehne hin. Also schreib weiter Briefe und vergiss darüber das zukünftig Vergangene. Bleib mit deinen Federn in den Tagebrüchen der Romantiker stecken. Nimm E.T.A. und H.v.K., nimm A.v.A., nimm den Aufstand und den Rückstand, nimm Platz in einer Mitte, die über die Zeit längst hinaus geschlagen ist. Und vielleicht nimmst du bald die ganze virulente Virtuelle, das surrende Grenzsein zwischen Realität, Mimesis und Unwirklichkeit, nimmst es zwischen die Hautklappen und schlägst es wie eine Eintagsfliege tot.
"Dies hier sind so meine eigenen Einfälle, wodurch ich nicht beabsichtige, das Wesen der Dinge ans Licht zu bringen, sondern mich selbst." Michel de Montaigne
Freitag, 6. November 2009
Sonntag, 1. November 2009
Es ist ein neuer Morgen, ein Monat angebrochen, der von sich wird Reden machen. Ihre Kleider hat sie über die Stuhllehne gelegt, hat alle Spangen aus dem Haar gelöst, ist mit den Händen über ihr Gesicht gefahren und hat dabei unmerklich die Augenbrauen in die richtige Linie gezogen. Sie ist nackt und möchte es am liebsten die nächsten Nächte und Tage bleiben, weil der Winter so einen schönen Schauer über die Haut treibt, sie beinah dazu zwingt, sich in sich selbst zurück zu ziehen, alle Wärme, selbst die restlichste, bei sich zu halten. Der Winter, anders als der jubelschreiende Sommer, ist eine Zeit, die Türen und Fenster schließt, Decken aus den Kommoden kramt und sich in Kissen schmiegt. Der Winter ist eine Zeit für sich, eine Zeit für Alleinseiende, eine Zeit ohne Zwang zur Heiterkeit. Am Abend gab es ein Feuerwerk. Sie sah still vom Balkon zu, sah wie die Leuchtkörper über den Hausdächern explodierten, sah die Menschen geisterhaft durch die Straßen schlendern, sah wie das Abenddunkel sich für die nahe liegenden Tage bettete. Es wird nicht mehr hell werden, dachte sie am Abend, nicht mehr dieses Sonnenhell.
Sie war fünf, als sie mit dem Vater das erste Mal über das Wasser lief. Der See war gefroren und durch das Eis konnte sie die Pflanzen im Wasser sehen. Bäuchlings lag sie auf dem See. Mund und Nase schmolzen kleine Wölbungen in das Eis, aber darunter lagen eingeschlossene Luftblasen. An die Luftblasen hatte sie immer denken müssen, die Luftblasen hätten den Vater doch retten müssen, aber er hatte wahrscheinlich nicht gewusst, wo sie waren und wie er sie hätte atmen sollen unter Wasser. Denn als es laut krachte und mit einem Mal der Vater nicht mehr auf dem Eis, sondern darunter zu den Pflanzen gelangte, war niemand außer ihr da. Niemand, der gewusst hätte, den Vater zu den Luftblasen zu lenken, niemand der gewusst hätte, dass die nasse Kälte nur Minuten braucht. Der Winter ist auch deswegen eine Zeit zum Alleinsein, denkt sie, weil er die Menschen um einen herum schluckt. Er nimmt sie in sich auf, als wäre er die frierende Haut, die alles in sich zurückzieht, um auch die restlichste Wärme bei sich zu halten. Ihr Vater selbst war für sie zum Winter geworden. Auch deswegen steht sie nackt in der klirrenden Kälte, es ist wie damals, als sie stundenlang reglos auf dem Eis lag und sah, wie ihr Vater zu den Pflanzen, nicht aber zu den Luftblasen gelangte. Und es tut so weh, kalte Luft zu atmen.
Die Kleider über der Stuhllehne sind Sommerkleider, es ist auch ein Stuhl für den Sommer auf dem Balkon. Nur noch kurze Zeit, dann muss sie zurück, muss in die Wärme der Räume, der geschlossenen Fenster und Türen. Denn inzwischen weiß sie, die nasse und auch die trockene, klirrende Kälte braucht nur kurze Zeit. Im Warmen erholt sich die zusammengezwungene Haut, erholt sich auf schmerzhafte Weise, bekommt Risse und Furchen. Es ist keine Zeit für Berührungen, die kalte Haut ist auch eine Zeit für Alleinsein, für Berührungslose. Denn allem Kalten, dem man mit Wärme entgegenkommt, geraten Schmelzwunden ins Sein.
Sie war fünf, als sie mit dem Vater das erste Mal über das Wasser lief. Der See war gefroren und durch das Eis konnte sie die Pflanzen im Wasser sehen. Bäuchlings lag sie auf dem See. Mund und Nase schmolzen kleine Wölbungen in das Eis, aber darunter lagen eingeschlossene Luftblasen. An die Luftblasen hatte sie immer denken müssen, die Luftblasen hätten den Vater doch retten müssen, aber er hatte wahrscheinlich nicht gewusst, wo sie waren und wie er sie hätte atmen sollen unter Wasser. Denn als es laut krachte und mit einem Mal der Vater nicht mehr auf dem Eis, sondern darunter zu den Pflanzen gelangte, war niemand außer ihr da. Niemand, der gewusst hätte, den Vater zu den Luftblasen zu lenken, niemand der gewusst hätte, dass die nasse Kälte nur Minuten braucht. Der Winter ist auch deswegen eine Zeit zum Alleinsein, denkt sie, weil er die Menschen um einen herum schluckt. Er nimmt sie in sich auf, als wäre er die frierende Haut, die alles in sich zurückzieht, um auch die restlichste Wärme bei sich zu halten. Ihr Vater selbst war für sie zum Winter geworden. Auch deswegen steht sie nackt in der klirrenden Kälte, es ist wie damals, als sie stundenlang reglos auf dem Eis lag und sah, wie ihr Vater zu den Pflanzen, nicht aber zu den Luftblasen gelangte. Und es tut so weh, kalte Luft zu atmen.
Die Kleider über der Stuhllehne sind Sommerkleider, es ist auch ein Stuhl für den Sommer auf dem Balkon. Nur noch kurze Zeit, dann muss sie zurück, muss in die Wärme der Räume, der geschlossenen Fenster und Türen. Denn inzwischen weiß sie, die nasse und auch die trockene, klirrende Kälte braucht nur kurze Zeit. Im Warmen erholt sich die zusammengezwungene Haut, erholt sich auf schmerzhafte Weise, bekommt Risse und Furchen. Es ist keine Zeit für Berührungen, die kalte Haut ist auch eine Zeit für Alleinsein, für Berührungslose. Denn allem Kalten, dem man mit Wärme entgegenkommt, geraten Schmelzwunden ins Sein.
Donnerstag, 22. Oktober 2009
Nachts, wenn ich durch die Straßen laufe und nicht begreife, dass ich nicht nur durch Straßen sondern auch durch eine Stadt, durch eine Gegend, irgendwo durch einen Kontinent, durch ein Stück Welt laufe, sind es die Geräusche, die sich verdoppeln. Mehrlingsgeburten, von allen Seiten drischt etwas auf mich ein, und dieses etwas, dieses undefinierte Vielzeug ist es, das mich vermissend macht. Ich Frau, werde plötzlich Kind. Stehe als Kindfrau und gebäre Mehrlinge in die Nacht, die nichts weiter sind als vergangene Tage. Und ich, mehr Kind als Frau weiß weder mich noch die Geburten zu nähren, zu wärmen, zu überleben. Überliebensfähig. Ist keiner von uns. Nicht Frau, nicht Kind. Nachts, wenn ich durch die Straßen laufe und nichts begreife, sitzt ein anderer Teil von mir im Verhörsaal, der nur Raum mit Wänden ist. Aber diese Wände haben Ohren, überdimensional und die machen den Saal, machen das Gesagte zum Gehörten und später in den Gassen um mich herum, wird es Geräusch. Geräusch im Verhörsaal kann das Knacken im Holz sein, kann in den Gängen der Wände ein Wurm nur sein. Ein vielgliedriges Mehrlingswesen nur. Geräuschkulisse ist immer aus Gesagtem gehört und für unbedeutend Gehaltenes. Nachts.
Mittwoch, 7. Oktober 2009
Es muss etwas an mir sein. Es gibt diese Menschen, die ich schätze und in die Kramkiste der Freundschaften lege, und genau diese Menschen sind anders, wollen nicht in die Freundschaftszange gelegt werden. Es wundert mich, ich wundere mich. Das Wunderbare ist, was sich zu wundern lohnt. Da ergibt sich ein Ereignis und es ändert das Verhältnis von da Gewesenem, Seiendem und Werdendem. Wohin aber diese Änderungen schwingen, weiß niemand, der nicht schwungerfahren ist. Wohin treibe ich diese Menschen? Wohin treiben sie mich? Ich trete an den Rand und sehe darüber nur hinaus. Mit den Menschen ist das so eine wunderbare Sache.
Ich meine, nichts dazu zu können und merke, wie ich abgleite, hinabgleite ohne nirgends nach Halt zu greifen. Ich spüre diese Gedankenketten, die sich um mich legen, mich würgen, mich nicht mehr freigeben. Nächte verbringe ich so. Tage. Mit den Menschen ist das so eine Sache. Sie kommen und gehen, ich komme und gehe an ihnen vorbei, an ihnen vorüber. Aber nirgends ist etwas gewesen, von dem ich sagen würde, das muss es gewesen sein, was dazu geführt hat, wie es jetzt ist und morgen sein wird. Ich bin teilnahmslos bei dieser Sache, die zu wundern sich lohnt. Die Einsamkeit scheint mir immer noch der sicherste Ort zu sein.
Der Fluss zieht auch ohne mich weiter Richtung Meer. Wieviel von ihm schon an mir vorbeigezogen ist, weiß das Meer. Manchmal regnete es Bäche, Flüsse, ganze Ströme. Gestern Abend regnete es das Meer, und ich wollte fragen, wie viel von ihm im Fluss gezogen war. Aber als ich zur Sprache kam, war die Straße längst überflutet und alle Fenster und Türen geschlossen. Ich brach ab, meine Stimme brach mitten im Fragen einfach ab. So verzweigt und verästet habe ich mich selten erlebt. Aber die Stimme macht, wozu sie in der Lage ist. Und wenn aus ihr heraus ein Baum entsteht, dann ist das so.
Ich meine, nichts dazu zu können und merke, wie ich abgleite, hinabgleite ohne nirgends nach Halt zu greifen. Ich spüre diese Gedankenketten, die sich um mich legen, mich würgen, mich nicht mehr freigeben. Nächte verbringe ich so. Tage. Mit den Menschen ist das so eine Sache. Sie kommen und gehen, ich komme und gehe an ihnen vorbei, an ihnen vorüber. Aber nirgends ist etwas gewesen, von dem ich sagen würde, das muss es gewesen sein, was dazu geführt hat, wie es jetzt ist und morgen sein wird. Ich bin teilnahmslos bei dieser Sache, die zu wundern sich lohnt. Die Einsamkeit scheint mir immer noch der sicherste Ort zu sein.
Der Fluss zieht auch ohne mich weiter Richtung Meer. Wieviel von ihm schon an mir vorbeigezogen ist, weiß das Meer. Manchmal regnete es Bäche, Flüsse, ganze Ströme. Gestern Abend regnete es das Meer, und ich wollte fragen, wie viel von ihm im Fluss gezogen war. Aber als ich zur Sprache kam, war die Straße längst überflutet und alle Fenster und Türen geschlossen. Ich brach ab, meine Stimme brach mitten im Fragen einfach ab. So verzweigt und verästet habe ich mich selten erlebt. Aber die Stimme macht, wozu sie in der Lage ist. Und wenn aus ihr heraus ein Baum entsteht, dann ist das so.
Donnerstag, 17. September 2009
Es ist Zeit vergangen. Nicht wir sind vergangen, sind nicht verirrt, nicht verlaufen, sind vielleicht nur etwas seitwärts gerückt. Nebenbei sozusagen. Und anbei lag das Meer, lag mit seinem großen Rauschen und ich wusste nicht, übertönt es dein Schweigen oder macht es dein Schweigen erst aus. Du warst immer nur leise im Gegensatz zum abseitigen Meer. Das dort liegt, vor mir, mir vor den Füßen, so als käme ich gar nicht umhin, hinein zu treten. Trittstein. Jeder einzelne, der mir über die Zehen kieselt.
Das Sein, also unser Sein, deines und ebenso meines, bedarf einer Ortschaft, um sein zu können. Nur wo das Sein da ist, ist es existent. Das las ich im Zusammenhang mit Sprache und Tod, und dass das anfängliche Wort uns sterblich macht. Und jetzt, da ich daran denke, fällt mir dein Schweigen auf. Deine Todesangst. Und ich denke das erste Wort, das du sagtest und denke, es war deine Reaktion auf mich als ein Reiz in deinen Ortschaften. Unbewusst war dein erstes Wort, unbewusst deine Wahrnehmung von mir, wie man eine auf Grün geschaltete Ampel wahrnimmt, und den Fuß nicht vom Pedal nimmt. Nebenher. Seitweise.
Ich hatte vorgeschlagen, nicht länger zu reden sondern zu schreiben. Unser geschrieben Gesagtes wiederholbar, überprüfbar zu machen. Du hattest genickt und geschrieben. Aus Lauten wurden Silben, wurden Worte, ganze Sätze bildeten sich. Immer wieder. Jede einzelne Silbe wiederholbar. Alles was du mir geschrieben sagtest, schwimmt mir vor Augen. Mund, Nase, Ohren bleiben unberührt.
Unrührbar ist alles was wir empfinden. Im Wort.
Das Sein, also unser Sein, deines und ebenso meines, bedarf einer Ortschaft, um sein zu können. Nur wo das Sein da ist, ist es existent. Das las ich im Zusammenhang mit Sprache und Tod, und dass das anfängliche Wort uns sterblich macht. Und jetzt, da ich daran denke, fällt mir dein Schweigen auf. Deine Todesangst. Und ich denke das erste Wort, das du sagtest und denke, es war deine Reaktion auf mich als ein Reiz in deinen Ortschaften. Unbewusst war dein erstes Wort, unbewusst deine Wahrnehmung von mir, wie man eine auf Grün geschaltete Ampel wahrnimmt, und den Fuß nicht vom Pedal nimmt. Nebenher. Seitweise.
Ich hatte vorgeschlagen, nicht länger zu reden sondern zu schreiben. Unser geschrieben Gesagtes wiederholbar, überprüfbar zu machen. Du hattest genickt und geschrieben. Aus Lauten wurden Silben, wurden Worte, ganze Sätze bildeten sich. Immer wieder. Jede einzelne Silbe wiederholbar. Alles was du mir geschrieben sagtest, schwimmt mir vor Augen. Mund, Nase, Ohren bleiben unberührt.
Unrührbar ist alles was wir empfinden. Im Wort.
Donnerstag, 27. August 2009
Jetzt. Da du dort drüben atmest, fehlt mir gänzlich Wind im Gefieder. Ich hebe die Arme der Nachtluft Willen nicht, ich hebe die Arme nicht für einen Mann im Kleid, einen Hund mit Kieferprothese. Ich hebe meine Arme nicht.
Ich vermisse die Straßen, die Bahnhöfe und den Geruch. Das ganz Eigene, was eine Stadt ausmacht. Ihr Gedächtnis. Metropolisch, sage ich und denke an den Osten, den Westen, den Norden und irgendwo auch an den Süden. Wenn ich ginge und nicht ankäme, wäre es endlos. Aber wohin kommt der Mensch?
Über seine Gedanken hinaus, kommt er nicht. Kommt nicht über den Rinnstein seiner Gestirne. Dabei würde ich so gern. Würde kommen und darüber hinaus schon wieder schwinden. Davonkommen ist immer auch ein Dahingehen.
Ich dekonstruiere mir die Welt. Setze Bausteine an Straßen ab, setze Ringsteine an Ecken und morgens nehme ich ein Bad, während andere sich sammeln, zerstreue ich. Zerstreue von mir, was bleiben wird. Alles, was ich schreibe, könnte bleiben wollen. Und wohin wird es kommen, wenn ich gegangen sein werde?
Du atmest dort, wo ich nicht bin. Schlägst Wind in Anderer Gefieder.
Ich vermisse die Straßen, die Bahnhöfe und den Geruch. Das ganz Eigene, was eine Stadt ausmacht. Ihr Gedächtnis. Metropolisch, sage ich und denke an den Osten, den Westen, den Norden und irgendwo auch an den Süden. Wenn ich ginge und nicht ankäme, wäre es endlos. Aber wohin kommt der Mensch?
Über seine Gedanken hinaus, kommt er nicht. Kommt nicht über den Rinnstein seiner Gestirne. Dabei würde ich so gern. Würde kommen und darüber hinaus schon wieder schwinden. Davonkommen ist immer auch ein Dahingehen.
Ich dekonstruiere mir die Welt. Setze Bausteine an Straßen ab, setze Ringsteine an Ecken und morgens nehme ich ein Bad, während andere sich sammeln, zerstreue ich. Zerstreue von mir, was bleiben wird. Alles, was ich schreibe, könnte bleiben wollen. Und wohin wird es kommen, wenn ich gegangen sein werde?
Du atmest dort, wo ich nicht bin. Schlägst Wind in Anderer Gefieder.
Mittwoch, 6. Mai 2009
Im Wald schlägt Gefieder
Sie rennt, dabei wusste sie früher nicht die Beine in die Hand zu nehmen. Jetzt rennt sie und der Rock rutscht ihr bauchwärts über die Knie. Alles habe ich diesem Dreckskerl gegeben und jagt der mir nach, dieses Schwein! Sie rennt und keucht, der Mund steht offen, wie ein vom Sturm zerrissenes Tor einer vergessenen Scheune. Von hier kann ich sie rennen sehen und den Kerl, der ihr an den Fersen hängt. Der jagt, denke ich.
Im Wald schlägt Gefieder. Hörst du? Ich sehe die Menschenspitze sich durch das Geäst schlagen. Dreckskerle. Im Wald schlägt einer einen anderen Ton an. Du hörst nicht?
Dabei hast du doch Gefieder im Haar, denke ich und bestaune deine Ähnlichkeit mit anderen Himmelskörpern. Wenn Götter im Himmel thronten, sage ich, du würdest wie sie aussehen. Aber es ist Gefieder und es gibt Leute, die meinen Federvieh und andere, es gäbe nirgends Götter. Nicht einer sei irgendwo.
Der Rock bauch-, nein herzwärts sich öffnen. Dabei rennt sie und möchte doch nicht, dass der, der jagt, sie einholt. Ihr nachjagt, sie einholt und eindringt wie eine Gewehrkugel, der man nur mit Gewalt entgegenwirken wird können. Sie atmen, ich sehe sie und das Rennen. Wenn einer meinte, er lese Literatur, dann frage ich, was liest du? Und warum? Ich weiß, dass unten einer jagt, sage ich.
Käuzchen. Kleines, grausames Käuzchen. Du. Käuzchen aus dem Walde.
Sein Einholen hat ihr Rennen gestoppt. Sie liegt und er steht über ihr. Der Rock hält nichts mehr verborgen. Offenherzig, wie sie da ist, greift er an, greif ein, in sie hinein. Und ich sehe, weil ich einem Himmelskörper ähnlich bin. Ich sehe und bleibe dennoch schön. So wie die Götter, die nicht im Himmel thronen aber dort gedacht und schön geglaubt werden.
Du sagst, dass ich schön bin. Du hörst nicht? Im Wald wird Gefieder geschlagen.
Sie rennt, dabei wusste sie früher nicht die Beine in die Hand zu nehmen. Jetzt rennt sie und der Rock rutscht ihr bauchwärts über die Knie. Alles habe ich diesem Dreckskerl gegeben und jagt der mir nach, dieses Schwein! Sie rennt und keucht, der Mund steht offen, wie ein vom Sturm zerrissenes Tor einer vergessenen Scheune. Von hier kann ich sie rennen sehen und den Kerl, der ihr an den Fersen hängt. Der jagt, denke ich.
Im Wald schlägt Gefieder. Hörst du? Ich sehe die Menschenspitze sich durch das Geäst schlagen. Dreckskerle. Im Wald schlägt einer einen anderen Ton an. Du hörst nicht?
Dabei hast du doch Gefieder im Haar, denke ich und bestaune deine Ähnlichkeit mit anderen Himmelskörpern. Wenn Götter im Himmel thronten, sage ich, du würdest wie sie aussehen. Aber es ist Gefieder und es gibt Leute, die meinen Federvieh und andere, es gäbe nirgends Götter. Nicht einer sei irgendwo.
Der Rock bauch-, nein herzwärts sich öffnen. Dabei rennt sie und möchte doch nicht, dass der, der jagt, sie einholt. Ihr nachjagt, sie einholt und eindringt wie eine Gewehrkugel, der man nur mit Gewalt entgegenwirken wird können. Sie atmen, ich sehe sie und das Rennen. Wenn einer meinte, er lese Literatur, dann frage ich, was liest du? Und warum? Ich weiß, dass unten einer jagt, sage ich.
Käuzchen. Kleines, grausames Käuzchen. Du. Käuzchen aus dem Walde.
Sein Einholen hat ihr Rennen gestoppt. Sie liegt und er steht über ihr. Der Rock hält nichts mehr verborgen. Offenherzig, wie sie da ist, greift er an, greif ein, in sie hinein. Und ich sehe, weil ich einem Himmelskörper ähnlich bin. Ich sehe und bleibe dennoch schön. So wie die Götter, die nicht im Himmel thronen aber dort gedacht und schön geglaubt werden.
Du sagst, dass ich schön bin. Du hörst nicht? Im Wald wird Gefieder geschlagen.
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